WI JK Orgelfahrt 7 17 032Spezialgebiet Intonation –
„Da scheiden sich die Geister“

Zu Gast bei Orgelbau Oppel/ Schmallenberg, Anne Temmen-Bracht (Projektleiterin „Orgelverbund Westfalen“) im Gespräch mit Stephan Oppel (Orgelbaumeister)

 

WI JK Orgelfahrt 7 17 046Herr Oppel, wie kamen Sie auf die Idee, Orgelbauer zu werden?

Ich war Orgelschüler in Paderborn und fasziniert vom Klang der Orgel! Dann habe ich ein Praktikum bei Orgelbau Sauer in Höxter gemacht und dort auch die Ausbildung zum Orgelbauer absolviert. Im Jahr 2001 habe ich mich dann selbständig gemacht, und 2003 konnte ich hier in Gellinghausen eine Schreinerwerkstatt übernehmen.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie hier bei „Orgelbau Oppel“?

Wir sind derzeit 7 Mitarbeiter. Schreiner, Orgelbauer, eine Praktikantin, eine Mitarbeiterin im dritten Lehrjahr.

Ist Orgelbauer auch ein „Frauenberuf“, oder sind Frauen eher selten vertreten?

Es gibt immer wieder Jahrgänge mit höherem Frauen-Anteil in den Handwerksberufen. Gerade im Orgelbau ist ja viel Feinmotorik gefragt, da viele kleine Teile in Handarbeit angefertigt oder bearbeitet werden müssen.

WI JK Orgelfahrt 7 17 030Ist Orgelbauer ein Beruf mit Zukunft?
Das Interesse ist sicherlich regional verschieden. Da gibt es Regionen mit wenig Interesse und Begeisterung an der Orgel und andere, wo mehr machbar ist.
Allerdings haben wir immerhin vor drei Jahren den Landessieger im Orgelbau hervorgebracht!

Was macht eine „gute Orgel“ aus?

Ich denke, da gibt es drei Dinge zu nennen, die für eine gelungene Orgel notwendig sind: erstens muss die Optik stimmen, zweitens muss die Technik absolut solide sein und drittens braucht die Orgel eine gute Intonation. Alle drei Aspekte formen gemeinsam ein gelungenes Instrument, wobei die Optik aus meiner Sicht nicht entscheidend ist. Jemand, der die Orgel in Auftrag gibt, legt aber vielleicht größten Wert auf das äußere Erscheinungsbild – da sind die Geschmäcker auch sehr verschieden...

WI JK Orgelfahrt 7 17 007Sie machen auch Intonation selber. Was muss sich der Laie darunter vorstellen?

Intonation ist bei den Orgelbauer ein heißes Thema. Die Berufsschule zeigt schon nicht genau, wie Intonation in der Praxis wirklich geht. Dort lernt man nur die Grundlagen. Intonation umfasst die Lautstärke der einzelnen Pfeifen, die Präsentation des Gesamt-Klanges, ist aber auch eine Geschmacksfrage. Einige mögen eher einen präsenten Klang, während andere einen weicheren Charakter bevorzugen. Das ist so ein richtiges Spezialgebiet, an dem sich die Geister scheiden! Ich persönlich intoniere sehr gerne, wobei die Stilrichtung des jeweiligen Instruments für mich auch die klangliche Ausrichtung vorgibt.

Was kann man als Orgelbauer konkret machen, um einen Klang zu ändern?

Nun, zum Beispiel können Sie sogenannte Kernstiche setzen. Diese mindern die Obertöne, nehmen dem Klang andererseits möglicherweise Energie. Oder Sie können die Windzufuhr drosseln oder vermehren. Rund 50 verschiedene Parameter können an einer Orgelpfeife eingestellt und verändert werden, immer mit der Frage im Hinterkopf „was braucht die Pfeife, was verträgt sie?“...

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Was für Hölzer verwenden Sie hier im Sauerland?

Keine einheimischen Hölzer, denn die passen nicht unbedingt. Wir verwenden vorzugsweise Eiche und Fichte. Zum Beispiel bauen wir hier einen Windkanal. Dafür verwenden wir Fichte aus Bayern und bevorzugen Hochgebirgsfichten, denn unsere Sauerländer Fichte ist zu astig. Zedernholz wird für die Abstrakten verwendet.

Gibt es Probleme bei einer Orgel-Restaurierung?

Bei einer Orgelrestaurierung ist es oberstes Gebot, die historische Substanz zu wahren. Oftmals wurden Orgeln über Generationen von verschiedenen Orgelbauern modifiziert, so dass zunächst einmal "Spurensuche" betrieben werden muss. Da ist eine Orgel auf den Geschmack von „xy“ zugeschnitten und heute hat sich vielleicht der Geschmack verändert. Orgeln müssen heute anderen liturgischen Anforderungen gerecht werden als früher. Heute ist eine andere Vielseitigkeit gefragt. Auch Orgeln zu versetzen kann schwierig werden. Die müssen akklimatisiert werden, man muss immer das Klima berücksichtigen. Das sind Massivholz-Orgeln, da arbeitet das ganze Holz...

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Wir möchten unsere Werkstatt größer ausbauen und gerne weitere Mitarbeiter einstellen. Nächstes Jahr warten zwei Orgel-Neubauten im Westerwald und im Rheinland auf uns.

Herr Oppel, ich danke Ihnen für dieses Gespräch!